August 2011

[…]Selbstverständlich ist im Vollzug die Schauspielerei und das Erlernen von Falschspiel eher das „Vollzugsziel“ – wer gut schauspielert und so die Vorstellung der Repressionisten befriedigt und bestätigt hat gute Chancen, eher raus zu kommen und wird mit „guten Papieren“ entlassen –
die Realität und Tatsache: dass die Rückfallquote bei Erwachsenen etwa bei 56 % steht und bei Jugendlichen bei 72 % […]. Sogar Rechtsgelehrte bestätigen das Versagen des Strafvollzugs in Deutschland – es hat nie was gebracht, die Rebellen und Widersacher des Herschaftssystems totzuschlagen, zu vierteilen, zu rädern, Mühlsteine um den Hals zu hängen und absaufen zu lassen oder zu hängen – diese oben erwähnten „Repressionsmaßnahmen“ sind tatsächlich schon im Mittelalter echte deutsche Erfindungen – wenn es um das Menschenumbringen geht […]
1200 Jahre Töten und Hinrichten und Totschlagen von Gefangenen im deutschen Strafvollzug hat nicht das Wenigste gebracht – die „Kriminalität“ steigerte sich immer mehr.
Die USA sind ein gutes Beispiel für diese These. Dort herscht zwischen Arm und Reich seit 50 Jahren ein Bürgerkrieg und je mehr der amerikanische Strafvollzug grausamer wurde – um so grausamer die Verbrechen.
Selbstverständlich muß beachtet werden, dass das „deutsche Denken“ – also das Stammtischdenken von BILD-vernebelten „Anständigen“ – dass dieses Denken – so die Geschichte des deutschen Strafvollzugs – sich so formuliert: „Ein Verbrechen muss mit einem noch größeren Verbrechen abgeschreckt werden“[…]. Natürlich haben wir in Germoney keine Todesstrafe – keine physische Todesstrafe – aber es ändert nichts an der Tatsache, dass nach einer gewissen Zeit der Inhaftierung bei den meisten Inhaftierten eine Art Stagnation stattfindet – also Stillstand – […] die meisten Inhaftierten werden während der Haft zu einer Art „gesellschaftliche Krüppel“ – sie verlieren während der Haft, je länger diese dauert, den Bezug zum kulturellen, sozialen und geistigen Sektor – bei den meisten Inhaftierten – nicht bei allen.
Das gehört mit zum Strafvollzug – Peter-Paul Zahl sagte: „Kultur und Sozialität ist im Vollzug verboten, weil die Vollzugsverantwortlichen ihr Bild und ihre Vorstellung über den Inhaftierten nicht verlieren wollen – dass nämlich Gefangene Affen, Barbaren, Wilde und Asoziale sind […] und es wäre für die Vollzugsverantwortlichen sehr, sehr schwierig und fast schon tödlich, wenn ein „Affe“, ein „Barbar“ oder ein „Wilder“ – also ein Unterlegener – anfängt, ein Buch zu schreiben oder einen Doktortitel zu machen.“ […]
Ich erlebe hier jeden Tag diese Schauspielereien der sogenannten „Knackis“ – wie sie alles tun, um dieser Rolle gerecht zu werden – und wenn dann ein selbsternannter „Affe“ oder „Wilder“ oder „Barbar“ – also ein „Knacki“ – seine Rolle gut spielt, wird dieser auch belohnt und die Vollzugsverantwortlichen fühlen sich in ihrem Denken und in ihrer Meinung bestätigt.
[…]
Eigentlich sollte ein Mensch denken, dass in einem Gefängnis, wo sich doch alle Inhaftierten im selben Boot befinden […] – dass es dort kein klassenbewusstes Denken gibt. Ein sehr großer Irrtum – derweil werden Gefängnisinsassen in zwei großen Lager geteilt – das eine Lager sind die „Klassiker“ und das andere Lager ist das „Patientenlager“ – da wird nach den Delikten unterschieden – die „Klassiker“ mit den seit Jahrtausenden immerwährenden Delikten wie Totschlag, Mord, Diebstahl, Betrug und so weiter – […] die sich eigentlich einen Dreck um die Gesetze und Rechte und Regeln der Herrschenden scheren und aus verschiedenen Gründen ihre Delikte begingen – und die Patienten, die in der Regel gehorsame und sehr gesetzestreue Bürger sind, brav die bürgerlichen Parteien wählen und auch so sich der Obrigkeit fügen und brav und gehorsam sind – aber durch jahrelange Unterdrückung durch ihre „Chefs“ und „Vorgesetzen“ dann sich ein Ventil gesucht hatten, um ihrem angesammelten Frust und Zorn freien Lauf zu lassen und sich darum noch schwächere Menschen heraussuchten – die sie dann unterdrücken konnten – und das dann sehr oft im „Libido-Bereich“.
Also absolut zwei gegensätzliche Lager, die sich im Knast befinden – feindlich eigentlich im sozialen und gesellschaftlichen Bereich zueinander eingestellt. Diese „Feindschaft“ wird selbstverständlich dann auch ausgenutzt von der Vollzugsstrategie – da braucht man kein Buch zu lesen von Machiavelli – um diese Strategie auszuführen – und so ist es fast ein Normalbild, das im Gefängnis Verrat und Agententum zu Hause sind.

Viele Delikte, wie bei den „Patienten“, geschehen aus Frustration und mangelndem Mut, ihre Agressionen dort abzulassen, wo sie auch produziert werden und provoziert. […]
Vielleicht gibt es in der Gesellschaft draußen nur so wenig Widerstand gegen all das, was auf Dauer den einfachen Menschen zum knechtenden Idioten macht – weil der Mut fehlt und der gesellschaftliche Dressurakt der Obrigkeitshörigkeit zu intensiv seit dem Schulalter und später wirkt – immer die permanente Drohung: „Wenn du nicht parierst, wirst du repressioniert“ -[…]
Eine Studie hat ergeben, dass kein Volk auf der Welt so viel aus zivil- oder strafrechtlichen Gründen vor dem Kadi steht und klagen und prozezzieren tut wie die Deutschen.
Und nirgendwo auf der Welt gibt es „Grilllpolizei“ , „Müllpolizei“ , „Badepolizei“ und viele andere Polizeitruppen – als sei das deutsche Volk eine Herde von Kriminellen. Was auch ja einiges über den Charakter der Herrschenden sagt. […]
Im Grunde sind im Gefängnis nicht die hellsten und widerstandsfähigen – sondern eher die schon vom System gerupften und gebrochenen Charaktere. Und die nicht gebrochenen und noch nicht gerupften Charaktere im Gefängnis lassen sich von niemandem wo hinführen – die gehen ihren eigenen Weg, den sie in ihrem Leben immer schon gegangen sind – ob mit Repressionen oder sonstwas – es interessiert diese Jungs einen Dreck, was andere wollen – einen Dreck, was der Staat und die Herrschenden wollen […]. Sie sind unkäuflich und nicht zu kontrollieren!
Und genau über diese Menschen ärgert sich das System – die Herrschenden und ihre Mitläufer und Wasserträger – ja, sie haben vor diesen Menschen Angst und fürchten sich! […]

Ich selber bin Angehöriger einer Volksgruppe, die schon seit tausenden Jahren um irgendwelche Volkskulturen oder Bräuche oder Gesetze oder Sitten sich einen Dreck schert – weil unsere Volksgruppe stets als Sündenbock für irgendwelchen Dreck herhalten musste – ich gehöre dem „Alten Volk“ an – und als unser Volk – schon tausende Jahre durch Verfolgungen und Kriminalisieren als Untermenschen dargestellt – bei den Nazis […] durch Gaskammern und Verbrennungsöfen marschieren mussten – nur weil wir nie bereit waren, uns irgendeiner Gesellschaftsideologie zu unterwerfen – haben wie erfahren, was es heißt […], sich Gesetz, Moral, Recht und Tugend zu unterwerfen.
Es waren Juristen, die Justiz in Nazideutschland – Polizei und Bürger mit angeblichen konservativen Wertmotiven und ähnlichem Scheiß, die uns gejagt und kriminalisiert, verraten und angezeigt hatten – weil es so Gesetz und Recht war und Moral – auch wenn es Nazigesetz, Nazirecht und Nazimoral ist – zuvor waren es jahrtausendelang immer die Gesetze und die Moral der jeweiligen Herrschenden – die uns umgebracht und getötet hatten.
Bis heute gilt unser Volk in diesem Land und zur Zeit in manchen ehemaligen Ostblockstaaten weiterhin als Untermenschen und es ist nicht strafbar, wenn unsere Kinder, teilweise in Babyalter von „Gathse“ (Außenstehenden) umgebracht werden, vergewaltigt und verkauft und totgeschlagen – unsere Häuser verbrannt oder die Männer ohne Grund eingesperrt werden – in diesem so gelobten Europa – was soll ich also von Gesetz, Recht und ähnlichem Moralitikergeseiche halten?
Ich sehe immer noch die Tätowierungsnummern der Nazilager am Unterarm meiner Onkels und Tanten, die mich von der Geburt an erzogen haben – die, die das Lager überlebt hatten und an den Spätfolgen gestorben sind – alles im „Namen des Volkes“ und der Justiz – von Moral und Tugend – noch im Jahre 1969 durfte ein oberbayerischer ehemaliger Nazifunktionär meine Mutter keine zwei Meter neben mir erschießen – und hätte sich nicht die Familie von uns um diesen Drecksack und die zwei Polizisten und den Arzt gekümmert – die zusahen, wie meine Mutter verblutete – nur weil sie „a Zigeinerin “ war – wären diese Menschen straffrei davon gekommen. Soviel zu Gesetz, Recht und Moral – und noch heute gelten für die Landfahrer nicht die Gesetze wie für das andere Volk – für uns gibt es immer noch „Sondergesetze“ – gerne getarnt unter dem Begriff : Organisierte Kriminalität.
[…]
Du warst also im Knast auch gewesen – jeder Tag im Knast ist ein verlorener Tag – niemand kann Dir diese Tage zurückgeben.
Ich hoffe sehr, das Du in dieser Zeit was gelernt hast – für Dich – ohne den ganzen üblichen Bimbamborium – und nun wissen tust, wohin Du gehören tust. Was Du auch machen tust in Deinem Leben, mache es stets mit fester Überzeugung und weil Du es so haben willst – und nicht andere es so haben wollen. Ich habe 15 Jahre Knast überlebt, weil ich keine Sekunde bereit war, ein „Knacki“ zu sein – und weil ich an meine Überzeugungen glaube und daran festhalte. […]
Letztendlich hat ein Mensch nichts bei seinem Abgang – als die eigene echte feste Überzeugung zu dem, was er oder sie tut oder getan hat.[…]

Roland Schwarzenberger de Aragon

Roland Schwarzenberger
Schönbornstr. 32
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