Liebe Leser_innen,

an dieser Stelle möchten wir euch die Idee dieser Broschüre und uns als Redaktionskollektiv kurz vorstellen.

Etwas von der Situation in Knästen mitkriegen
In der Broschüre findet ihr Texte und Bilder von Gefangenen, die einen Eindruck davon zu vermitteln suchen, was Knast für die Menschen „drinnen“ bedeutet.
Gefängnis ist immer mit Isolation verbunden: Gefangene werden von ihren Angehörigen, Freund_innen und anderen Sozialkontakten getrennt; und auch die Menschen „draußen“ kriegen kaum mit, was Knastalltag heißt, wie es den Menschen hinter den Mauern geht, was sie beschäftigt usw. Mit diesem Heft soll der herrschenden Isolation etwas entgegengesetzt werden. Deswegen ist es uns sehr wichtig, nicht (vorgeblich) im Namen der Gefangenen zu sprechen, sondern nur sie selbst über ihre Situation berichten zu lassen.

Die Isolation durchbrechen

Die Broschüre versucht, ein möglichst vielfältiges Bild vom Knast zu zeichnen: Beteiligt haben sich Gefangene mit unterschiedlichen Backgrounds und Perspektiven, und sehr unterschiedlich sind auch die Formen der Beiträge. Sei es ein Comic, ein Gedicht, ein Wandbild, eine Dokumentation knastinterner Verbotsverfügungen oder einfach ein Brief… Wir haben uns bemüht, verschiedene Stimmen einzubeziehen – dem Isolationscharakter des Knastes konnten wir aber im Entstehungsprozess dieser Broschüre nicht komplett entfliehen: So haben etwa Gefangene, die in bestimmte Netzwerke eingebunden sind, sicherlich eher von unserem Projekt erfahren als z.B. solche, die „draußen“ gar keine Unterstützer_innen haben.

Das Redaktionskollektiv: Grundsatzkritik an Zwangsanstalten

Wir selbst sind eine Gruppe junger Leute aus mehreren Ländern, die sich aus unterschiedlichen Gründen kritisch mit Knästen auseinandersetzen. Keine_r von uns saß bislang richtig lange im Gefängnis, aber wir haben alle Erfahrungen mit Knast und Justiz gemacht. Gemeinsam ist uns die Forderung nach der Abschaffung aller Zwangsanstalten und der Systeme, die solche hervorbringen und mittragen.
Wir identifizieren uns nicht mit allen Inhalten der einzelnen Beiträge.

Weiterverbreiten, weiterschreiben und weiterlesen

Um diese Broschüre möglichst vielen Leuten zugänglich zu machen, setzen wir vor allem auf das persönliche Weitergeben und Mund-zu-Mund-Propaganda – es wäre also ganz toll, wenn ihr uns helft, das Heft zu verteilen!
Die Gefangenen unter euch, die erst jetzt von der Broschüre erfahren, laden wir ein, trotzdem noch zum Stift zu greifen – was ihr uns schickt, stellen wir auf unsere Internetseite: http://knastbroschuere.blogsport.de
Dort stehen alle Texte aus diesem Heft sowie noch weitere, die wir nicht ins Heft aufnehmen konnten, und wir versuchen sie laufend zu ergänzen.
Auf der Website findet ihr außerdem eine Liste mit Büchern, Zeitschriften und Internetseiten, die wir euch zum Weiterlesen zum Thema empfehlen (am Ende dieses Heftes gibt es eine gekürzte Version dieser Liste).

Gefangene brauchen Brieffreund_innen

Vielleicht inspiriert euch dieses Heft ja, mal Stift und Papier in die Hand zu nehmen und Gefangenen zu schreiben! In einigen Städten gibt es auch regelmäßige Gefangenen-Schreib-Cafes…

Wir danken den Autor_innen, Künstler_innen und Übersetzer_innen!
Wir haben uns jedes Mal gefreut, wenn wieder ein Brief ankam!

Eure Herausgeber_innen

Gefördert wurde das Projekt als Transnationale Jugendinitiative durch das Förderprogramm „Jugend in Aktion“. Dabei hat „Jugend für Europa“ als Geldgeber weder Einfluss auf die Inhalte der Broschüre noch übernimmt es dafür Verantwortung.