Ein einsamer Häftling
Und was siehst du?
Durch deine Sicherheitskamera, mich anschauend.

Tausende marschierende Arbeiter_innen,
Und was siehst du?
Auf deinem Bildschirm,
Nur einen Mann,
Seinen Fernseher zertrümmernd.

So viele leidenschaftliche Plakate hochgehalten,
Aber was liest du?
Nicht die Message,
Nur die Überschrift.

Ein Dutzend zerbrochener Fenster,
Verdammt durch die Polizei,
Hunderte von Stimmen,
Sprechchöre singend zum Beat,
Und was hörst du?
Nur den angesagten Promi-Klatsch,
Während die Polizei Zähne zerschlägt.

Eure Wachstumsökonomie sponsert
Sklaverei und Zerstörung,
Doch was siehst du?
Oh! Der Schock des Vandalismus,
Erschüttert deine Moral.

Sicher in den australischen Vororten,
Schalten Zuschauer die verdummende Flimmerkiste ein,
Und was sehen sie?
[…]

Eine Million Anti-Kriegs-Demonstrant_Innen,
Für die Nachrichten gefilmt,
Aber was siehst du?
Nur die Medien und Politiker_Innen, wie sie die banale Gewalt der
Protestierenden verurteilen,
Und der Unterwerfung und Passivität der Mehrheit huldigen.

Leidest du an der Schwere der Teilnahmslosigkeit?
Die alles einhüllt mit einem stinkenden,
ironischen Gefühl von Fröhlichkeit,
Das deine Ambitionen mit dem Gewicht der Mehrheit nach unten zieht,
Dich einstimmt auf den Kanal der sozialen Gefügigkeit,
Und was sehe ich?
Nur die monotone, erbärmliche Gesamtscheiße,
Nicht die Zukunft, von der ich wünschte, sie könnte sein.

Dan Ezold