BEDRÜCKENDE ABENDE!!

→ Das Gefängnis: Ort der Bestrafung, der Empörung, der Erniedrigung!!! Abends ist hier alles traurig, grau, streng. Es ist eine andere Welt, als die des Tages… Hinzu kommen die Geräusche, die von Schlüsseln herrühren und die Türen, die unentwegt zugeschlagen werden, es ist diese unendliche Stille, die einen manchmal glauben lässt, dass kein menschliches Wesen diese Zellen bewohnt!!!
Andere Male ist es belebter, die Mädchen sprechen durch die Fenster miteinander, andere benutzen dazu Spiegel, um sich gegenseitig zu sehen und du hast immer „Tratschis“, die nichts zu tun haben und dem Geschehen zugucken oder zuhören.
In Gefängnisnächten werden deine Albträume wiedererweckt. Nur die Neonleuchten der Straße beleuchten deine Zelle, wenn dein Licht ausgeschaltet wurde.
→ Nachts spürt man im Gefängnis den Tod, ein paar Tabletten genommen, Horrortrip, der Wunsch, sich die Pulsadern aufzuschneiden, doch glücklicherweise verbietet der Schutzengel, der in uns ist, diese Grenze zu überschreiten, da du es sonst bereuen wirst…
→ Die Nacht ist ganz schwarz und häufig habe ich „schwarze“ Gedanken. Wie soll man sich auch nicht hängen lassen, nicht zusammenbrechen und die Anzahl an Jahren, die du hier verbringen musst, überwinden und die Strafe absitzen, die der Richter dir auferlegt hat???
Ich stelle mir oft diese Frage, sie bleibt jedoch immer unbeantwortet. Man glaubt sich „ganz stark“. Im Grunde genommen ist der Mensch schwach, psychisch schwach, man muss in der Lage sein, ohne dass es dir gefällt, die Anzahl an Jahren, die der Richter dir auferlegt hat, anzunehmen…
→ Um dem Schlag standzuhalten und nicht im Gefängnis zusammenzubrechen, dient das „Depri-Kaufhaus“. Dort muss man nur fragen. Sobald Deine Anfrage durchgewunken wird, kannst Du ganz legal Pillen schlucken.
Es ist beängstigend zu glauben, dass sich mit „Pillen“ alles regeln wird…
Wer träumt nicht davon, einzuschlafen und genau zur Freilassung wieder aufzuwachen!!!
All das um zu sagen, dass die Gefängnisnächte auf „Pillen“ bedrückend sind oder anders gesagt, dich auf kleiner Flamme zerstören…
Abends, wenn alle schlafen, vergisst man für einige Stunden, dass wir in dieser HÖLLE sind, im Gefängnis. Es ist ein „Gift“, wenn du von ihm kostest, vergeht nicht ein Mal, an dem du dir nicht sagst, dass du ihm niemals entkommen wirst, sei es, dass du sechs Monate oder zwei Jahre bekommen hast, es ist gleich, du wirst die gleichen Folgeschäden haben.
→ Der Staat zerstört uns, indem man uns einsperrt, in dem Glauben, die Probleme der Gesellschaft lösen zu können, indem man uns an Orte steckt, die „maison d’arrêt“ (Haus, das zurück hält – Haftanstalt) genannt werden, die uns bremsen und zum „Nachdenken“ bringen sollen über die Dummheiten, die wir gemacht haben. Es ist aber SCHLIMMER, nachdem du einen Fuß reingesetzt hast, wirst du noch „empörter“ und „aufgebrachter“ über die Gesellschaft, wieder rauskommen, weil sie Dich eingesperrt haben!!!
Und die meiste Zeit bereitet das Gefängnis dir „gute oder schlechte“ Begegnungen, die vor allem darauf abzielen, dich „wiederzuverwerten“ sobald Du frei bist.
→ Du kommst als Widerständler rein und gehst als ZUKÜNFTIGER Räuber wieder raus!!!
Sie ist schön, die Gerechtigkeit. Sie hat das Leben voll und ganz verstanden. Je mehr Gefängnisse gebaut werden, desto mehr Straffällige werden dort reingesteckt und das regelt nichts. Es ist eine endlose Geschichte!!!
NEUES GEFÄNGNIS = zehn Mal mehr Inhaftierte als hier rauskommen werden, die meisten von ihnen hartnäckiger als zuvor…
Und die rückfällig werden, wie ich
ALSO, WOFÜR IST DAS GEFÄNGNIS EIGENTLICH GUT??

DAS VERLIES → Die Strafzellen. Das Gefängnis im Gefängnis.

→ Man gibt ihm unterschiedliche Namen: Loch, Kerker… aber in jedem Fall bleibt ein „Verlies“ ein „Verlies“.
Diese Strafe wird von den Gefangenen am meisten gefürchtet. Ort der Verzweiflung, das ist psychische Folter …
Die erste Sache, die auffällt, wenn man dort drin ist und die den Wunsch, sofort wieder rauszukommen, auslöst, ist die Nacktheit des Ortes!!! Es gibt dort nichts, oder fast: ein Betonbett, der Hocker, der in die Wand integriert ist, ein WC mit dem Waschbecken genau drüber. Ein hartes und minimalistisches Bild…
Das VERLIES schreit nach Beton und dem inneren Gericht. Und um diesen Ort zu erhellen: ein Fenster, das kaum Luft hereinlässt und nur wenig Licht.
→ Aber ach, du warst zu fies zu irgendeiner „Vollidiotin“, wolltest die „Harte“ spielen und jetzt musst du dich der Situation stellen… Wenn Du zum „Gerichtssaal“ gehst und man dich zum Disziplinartrakt schickt, unabhängig von der Dauer, weißt du sehr genau, dass es Dir den Rest geben wird. Wenn du da rauskommst, bist du erprobt, abgestaubt und müde…
Hier im Verlies gibt es nichts zu tun. Es soll ein Ort der „Bestrafung“ sein, um dich runterzuholen, dich zum Nachdenken zu bringen, über die Dummheiten, die du nicht wiederholen sollst. Du denkst an die Leute draußen, die du liebst, nur mit Bildern der Erinnerung im Kopf, denn hier, wo nichts erlaubt ist, sind Fotos verboten…
→ Draußen ist das Gegenteil der Fall, du wiederholst unaufhörlich das, was du getan hast, sobald du aus diesem Rattenloch raus bist, um dich zwischen all denen einzureihen, die dich verunglimpft haben oder die versucht haben, dich zu „verarschen“!!!
→ Für die „Härtesten“ unter uns ist das Verlies nur eine Probe mehr, die mit der des Gefängnisses einhergeht. Das ist alles…
Mit den Worten aller „Knastschwestern“, „alle, die sich nicht an Land ziehen lassen, verkaufen besser“. Das ist sicher. Und nach 20 oder 30 Tagen kommst du noch gemeiner, verbissener, aggressiver raus, als du noch vor 30 Tagen warst!!!
*Das Verlies ist Verzweiflung und ein langer „schwarzer Tunnel“, in dem die Tage Wochen gleichen und du nicht einmal weißt, welcher Tag es ist, so abgeschieden von der Wirklichkeit bist du. Zu glauben, dass es kein Ende gibt, und gab es dann überhaupt einen Anfang?? Wo ist der Anfang der „Hölle“. Das Verlies lässt einen den Tod spüren. Es ist kalt. Du hast den Eindruck, eine „Pestkranke“ zu sein, zu glauben, dass dir alle so sehr aus dem Weg gehen, die Türen öffnen sich niemals, nur um dir Essen zu geben oder wenn du Post bekommst. Du hast den Eindruck, wie eine „Löwin im Käfig“ zu sein, hinter dem dreckigen und total verrosteten Scheißgitter…
→ Wie sollen einem nicht die Sicherungen durchbrennen, unmöglich zu verstehen, du LEIDEST unter deinen Erwartungen und verbringst die Tage mit lesen, schreiben, schlafen, während du auf einen schnellen nächsten Tag wartest, damit die Tage schneller als möglich vergehen. Aber leider ist es niemals so.
→ Du fühlst dich allein, im Stich gelassen, von der „Gesellschaft“ vergessen und sogar von den „Verbündeten“, mit denen du einsitzt, auch wenn du weißt, dass es immer bestimmte Personen gibt, die bestimmt an dich denken und die dich nicht fallen lassen. Ich glaube, dass es die einzige Möglichkeit an diesem Ort ist, durchzuhalten und nicht den Kopf hängen zu lassen!!!

Das waren die Worte einer jungen Frau, die seit etwa drei Jahren inhaftiert ist.

Ich bin eine andere junge Frau (und ETA-Aktivistin). Seit einigen Jahren bin ich in französischen Gefängnissen.
Ich möchte gern nur zwei oder drei Dinge über das Verlies hinzufügen. Das System mit dem Verlies hat ein Ziel, die Erniedrigung der Einzelnen. Auch wenn sich kürzlich das Gesetz geändert hat und Fortschritte zu verzeichnen sind, bleibt das Wesentliche gleich. Dort bist du absolut von den Wärterinnen abhängig: Toilettenpapier (wer gibt uns jedes Mal eine Rolle), das Reinigungsmittel für die Zelle (das ist ein großer Kampf… am lustigsten ist, dass in den Regeln verankert ist, dass die Zelle sauber sein muss), den Müll rausbringen zu lassen (ich habe Zeitungspapier versteckt – man hat das Recht auf maximal zwei Zeitungen oder ein Buch und eine Zeitung – um wenigstens zu versuchen, die Abfälle zu bedecken) oder sogar Binden (wenn Du das Glück hast, auf eine halbwegs menschliche Wärterin zu treffen, kannst du vier bis fünf Binden bekommen und Du hast für diesen Tag ausgesorgt). Man muss die Wärterinnen um alles bitten. Uhren sind auch verboten. Für mich war es sehr schwierig, ohne die Uhrzeit auszukommen, gezwungen zu sein, die Wärterinnen immer nach der Zeit zu fragen. Als ich letztens im Verlies war, habe ich mich geweigert, meine Uhr abzunehmen. Das war ein kleiner Triumph! Ich habe immer geglaubt, dass die Leute, die das Verlies gebaut haben, Sadisten sind.
Ich habe eine Frau im Verlies kennengelernt… Das erste Mal hatte ich mit ihr einige Gespräche durch das Fenster, zusammenhängende Gespräche. Nach sechs Monaten, als sie mich immer noch ins Verlies gesteckt haben, da ich für unsere Rechte gekämpft habe, habe ich versucht, mit dieser Frau zu sprechen, unmöglich. Sie war nicht mehr in der Lage dazu. Sie war total neben der Spur („verrückt“). Selbst Hunde behandelt man nicht so. (Ich fordere keinesfalls, Hunde so zu behandeln, versteht sich!) Die Ärzte haben sie mindestens zweimal pro Woche gesehen. Was haben sie getan, um es zu verhindern? NICHTS! Meiner Meinung nach sind sie Komplizen, vielleicht nicht alle, aber fast.
Bevor ich aufhöre, noch eine Sache: Aufgrund der Zensur sind wir sicher, dass dieser Brief nicht den Gefängnisfilter passieren wird, daher werden wir den Brief „illegal“ rausschmuggeln, wie bei der Inquisition!
Wir grüßen Euch. Gut gemacht! Zusammen werden wir alle die Mauern einreißen, die uns unterdrücken und eine gerechte und freie Welt schaffen.
HASTA LA VICTORIA SIEMPRE!!

anonyme Zusendung

übersetzt von Deborah Althausen